Buchveröffentlichung: Affäre Meili – Ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden

Kein anderer Schweizer hat in den 1990er Jahren so polarisiert wie der Aargauer Christoph Meili – und tut es heute noch. Seine Geschichte hat die Schweiz fast genau so gespalten und aufgewühlt, wie die eigentliche Ursache der Problematik: Das Nazi-Regime und der Holocaust.

50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich die Schweiz auf Druck vom Ausland hin zur schmerzlichen Aufarbeitung ihrer «neutralen» Rolle während des Dritten Reiches durchgerungen.

In diese Zeit fällt die Entdeckung des jungen Wachmanns: Trotz bundesrätlichem Verbot werden im Keller der Schweizer Grossbank UBS Dokumente aus der Zeit des 2. Weltkriegs vernichtet. Christoph Meili schmuggelt einige Akten aus dem Shredderraum und übergibt sie einer Jüdischen Gemeinde. Der Skandal wird öffentlich, die Bevölkerung ist schockiert: Nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart kann das Land nicht sachlich mit den Geschehnissen im Zusammenhang mit dem Dritten Reich agieren, wird im Heidiland gegen Moral und Gesetz verstossen.

Der Wachmann wird zum Helden erkoren, das Thema Schweiz-Holocaust erreicht den hintersten Winkel des Landes. Meili  wird zum Katalysator für die jahrelange Verdrängung der eigenen Geschichte. Legenden und Wahrheit vermischen sich und im Sog des folgenden Medienhypes werden Inhalt und Hintergrund von Schlagzeilen und Floskeln verdrängt. Der «Whistleblower» wird zum Sündenbock und Verräter.

Als Chefreporterin der Schweizer Boulevard-Zeitung «Blick» habe ich in den 90er Jahren den Wachmann und seine Taten verfolgt, habe seine amerikanischen Mentoren kennengelernt, die mich in ihre Strategie einzuspannen versuchten.

Vier Jahre nach dem Bankendeal traf ich Christoph Meili in seiner neuen Heimat im sonnigen Kalifornien wieder. Nach anfänglichem Zögern legt er mir ungeschminkt sein Leben seit jener Nacht im Shredderraum offen. Zusammen haben wir in zahlreichen Gesprächen und Telefonaten die Geschichte noch einmal aufgerollt und die Rolle analysiert, die er während der Aufarbeitung der Schweizer Vergangenheit gespielt hat.

So offen und direkt, wie Meili mit seiner Vergangenheit umgeht, so unterschiedliche Emotionen und Reaktionen lösten meine Anfragen bei den anderen Beteiligten aus: Nur wenige freuten sich, dass das Thema «Meili» endlich aufgearbeitet wird. Verschämt wollten sie dem Whistleblower nachträglich für seine selbstlose Tat danken, erst jetzt anerkennend, was sie ausgelöst hat. Andere wollten nur hinter vorgehaltener Hand reden. Die meisten aber zogen Schweigen vor, wollten weder seiner Tat noch seiner Person eine Bedeutung zugestehen.

Die Geschichte des Wachmanns Meili, die ein ganzes Land berührte, wird verdrängt wie ein halbes Jahrhundert zuvor die Geschichte der neutralen Schweiz während des Dritten Reiches. Doch Geschichte kann nicht totgeschwiegen werden. Auch nicht die, in die Meili involviert war.

Buchbestellung mit Signatur unter patricia@diermeier.ch; Videobook www.meili-story.ch

Alle Fotos: © 1997/2002 Gisela Blau / c2u GmbH / Patricia Diermeier Reichardt. Wiedergabe nur mit schriftlicher Genehmigung.

Alles zur 1. Auflage des Buches – inkl. Medienreaktionen.

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