Der 8. Januar 1997 verändert mehr als ein Leben. An diesem Tag schmuggelt der Wachmann Christoph Meili aus dem UBS-Shredderraum zur illegalen Vernichtung bereitgestellte Dokumente aus der Nazi-Zeit und löst damit einen Skandal aus, der über die Grenzen hinaus bis heute weitreichende Folgen für Wirtschaft und Politik hat.

Von jüdischen Organisationen zum Helden ernannt, wird der Familienvater im eigenen Land zum Verräter abgestempelt, erhält Morddrohungen und verliert seinen Job. Nach seiner Flucht gerät der „erste Schweizer Asylsuchende in den USA“ in den Strudel egoistischer Taktierer. Er wird von Anwälten wie Ed Fagan im Namen der Holocaustopfer, von Politikern wie US-Senator Alphonse D’Amato für Wahlkampagnen und von Organisationen für Spendensammlungen vorgeführt.

In leicht verständlicher und süffiger Sprache zeichnet Patricia Diermeier Reichardt das Drama um den gutgläubigen Helden wider Willen nach – bis zur Anklage als Terrorist. Beantwortet werden die bis heute offenen Fragen: Warum Meili überhaupt im Shredderraum war und wie seine Mission auf der Suche nach Wahrheit und Moral monetären Interessen weichen muss. Anhand unter Verschluss gehaltener Dokumente wird aufgezeigt, wie der Wachmann zum Zünglein an der Waage für den „Frieden der Schweiz“ wird: Ohne seine Unterschrift hätte der Vergleich 1998 von UBS und Credit Suisse mit den Holocaust-Sammelklägern über 1,25 Milliarden  Dollar hinfällig werden können.

Eine nur allzumenschliche Schicksalsgeschichte, die mit der Aufarbeitung der Rolle der Schweiz während des Holocaust einhergeht.

224 Seiten, gebunden mit Fotos, Orell Füssli, 39.80 Franken, ISBN 3-280-06009-5 Buchbestellung via Email

Im August 2018 erscheint die Neuauflage!

Mehr Infos folgen bald hier www.meili-story.ch

Vorwort zum Buch

Kein anderer Schweizer hat in den 1990er Jahren so polarisiert wie der Aargauer Christoph Meili – und tut es heute noch. Seine Geschichte hat die Schweiz fast genau so gespalten und aufgewühlt, wie die eigentliche Ursache der Problematik: Das Nazi-Regime und der Holocaust.

50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich die Schweiz auf Druck vom Ausland hin zur schmerzlichen Aufarbeitung ihrer «neutralen» Rolle während des Dritten Reiches durchgerungen.

In diese Zeit fällt die Entdeckung des jungen Wachmanns: Trotz bundesrätlichem Verbot werden im Keller der Schweizer Grossbank UBS Dokumente aus der Zeit des 2. Weltkriegs vernichtet. Christoph Meili schmuggelt einige Akten aus dem Shredderraum und übergibt sie einer Jüdischen Gemeinde. Der Skandal wird öffentlich, die Bevölkerung ist schockiert: Nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart kann das Land nicht sachlich mit den Geschehnissen im Zusammenhang mit dem Dritten Reich agieren, wird im Heidiland gegen Moral und Gesetz verstossen.

Der Wachmann wird zum Helden erkoren, das Thema Schweiz-Holocaust erreicht den hintersten Winkel des Landes. Meili  wird zum Katalysator für die jahrelange Verdrängung der eigenen Geschichte. Legenden und Wahrheit vermischen sich und im Sog des folgenden Medienhypes werden Inhalt und Hintergrund von Schlagzeilen und Floskeln verdrängt. Der «Whistleblower» wird zum Sündenbock und Verräter.

Als Chefreporterin der Schweizer Boulevard-Zeitung «Blick» habe ich in den 90er Jahren den Wachmann und seine Taten verfolgt, habe seine amerikanischen Mentoren kennengelernt, die mich in ihre Strategie einzuspannen versuchten.

Vier Jahre nach dem Bankendeal traf ich Christoph Meili in seiner neuen Heimat im sonnigen Kalifornien wieder. Nach anfänglichem Zögern legt er mir ungeschminkt sein Leben seit jener Nacht im Shredderraum offen. Zusammen haben wir in zahlreichen Gesprächen und Telefonaten die Geschichte noch einmal aufgerollt und die Rolle analysiert, die er während der Aufarbeitung der Schweizer Vergangenheit gespielt hat.

So offen und direkt, wie Meili mit seiner Vergangenheit umgeht, so unterschiedliche Emotionen und Reaktionen lösten meine Anfragen bei den anderen Beteiligten aus: Nur wenige freuten sich, dass das Thema «Meili» endlich aufgearbeitet wird. Verschämt wollten sie dem Whistleblower nachträglich für seine selbstlose Tat danken, erst jetzt anerkennend, was sie ausgelöst hat. Andere wollten nur hinter vorgehaltener Hand reden. Die meisten aber zogen Schweigen vor, wollten weder seiner Tat noch seiner Person eine Bedeutung zugestehen.

Die Geschichte des Wachmanns Meili, die ein ganzes Land berührte, wird verdrängt wie ein halbes Jahrhundert zuvor die Geschichte der neutralen Schweiz während des Dritten Reiches. Doch Geschichte kann nicht totgeschwiegen werden. Auch nicht die, in die Meili involviert war.

Alle Fotos: © 1997/2002 Gisela Blau / c2u GmbH/Patricia Diermeier Reichardt. Wiedergabe nur mit schriftlicher Genehmigung.

Medienstimmen zum Buch…

Neue Luzerner Zeitung, 18. November 2003

„… Das Buch liest sich extrem spannend und macht die komplexen Zusammenhänge verständlich. Dabei fesselt die Person Meilis, der als eher naiver Mensch in die Mühlen der Medien, Justiz und Politik gerät und unter die Räder kommt..“ Mehr

Anzeiger Ostschweiz, 11. November 2003

„… Ihr Buch „Meili – Mission zwischen Moral und Milliarden“ zeichnet auf, wie ein junger Schweizer mit der guten Absicht, seinem Heimatland und den Juden zu helfen, in den Strudel gnadenloser Taktierer gerät…“

Schweizerzeit, 24. Oktober 2003

„…Eine Journalistin legt ein sauber recherchiertes Buch vor, welches die Rolle Meilis in der gegen die Schweiz inszenierten Holocaust-Krise möglichst emotionsfrei ausleuchtet. Interessant – auch wenn man vom dauernden Kopfschütteln nicht loskommt.“

P.S., 16. Oktober 2003

„…Die Autorin beschreibt den Auf- und Abstieg des Christoph Meilis spannend, mit einer grossen Beachtung der Medienwelt. Ein Buch, das viele Erinnerungen weckt und gut unterhält.“

Radio DRS 2, 13. Oktober 2003

„… Der ehemaligen Blick-Chefreporterin Patricia Diermeier ist es dank ausgezeichneten Kontakten gelungen, eine dicht recherchierte Reportage zu schreiben, die höchst amüsant ist und tief in die juristischen und diplomatischen Macht-Mühlen blickt lässt…“

Klartext, Oktober 2003

„…An wenigen Stellen wirft das Buch Erkenntnisgewinn ab, beispielsweise wenn Diermeier fast nebenbei beschreibt, wie der Züricher Bezirksanwalt Peter Cosondey – eigentlich beauftragt, gegen die Grossbank SGB zu ermitteln – einfach mit Bankkadern zusammensitzt, um die Sache zu beraten…. “

20 Minuten, 9. Oktober 2003

„Zuerst war er ein Held, später nicht viel mehr als eine tragische Figur – und an beidem ist Christoph Meili selbst schuld. Zu diesem Schluss gelangt, wer sich mit dem Buch «Meili» nochmals die Geschichte des Aargauer Wachmanns vor Augen führt….“

Neue Zürcher Zeitung, 29. September 2003

„…Er, der ein Held der guten Sache sein wollte, wurde damit zu einem Spielball nicht nur der Medien, wie eine Insiderin, die damalige «Blick»-Chefreporterin Patricia Diermeier, in ihrer leicht lesbaren Reportage darlegt…..“ Mehr

Zuger Presse, 23. September 2003

“ Patricia Diermeiers Buch eröffnet neue Blicke auf die Geschichte des Wachmannes, der die Banken belastendes Material vor dem Schredder rettete.“

St. Galler Tagblatt, 22. September 2003

„Die ehemalige «Blick»-Chefreporterin Patricia Diermeier will Geschichte aufarbeiten und giesst doch nur ein Heldendrama neu auf: Meili. Mission zwischen Moral und Milliarden. David gegen Goliath: eine Geschichte, die sich immer wieder süffig erzählen lässt……“

Weltwoche, 18. September 2003

„Es ist ein sonderbares Gefühl, mein eigenes «Leben» in der Hand zu halten. Das Buch ist für mich so etwas wie der Abschluss meiner Vergangenheit. Nun kann ich meinen Kopf frei machen für die Zukunft und ein neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen……“

Schweizer Illustrierte, 15. September 2003

„(…) Journalistin Patricia Diermeier hat die Geschichte Meilis minutiös nachgezeich- net. Auf 211 Seiten beschreibt die 40- Jährige, die 1997 als «Blick»-Chefreporterin erstmals mit Meili Kontakt hatte, den Weg vom Wachmann zum tragischen Helden….“ Mehr

NZZ am Sonntag, 14. September 2003

„Christoph Meili (…) lüftet im Buch «Mission zwischen Moral und Milliarden» der Journalistin Patricia Diermeier das letzte Geheimnis um seinen geschichtsträchtigen Coup im Shredder-Raum der UBS (…): die Frage, weshalb er den Raum überhaupt betrat…..“