© Schweizer Illustrierte

15. September 2003

Exklusiv! Christoph Meili besucht die Schweiz

Die Moral – und ihr Preis

Er war Wachmann. Und wurde zum Helden. Christoph Meilis Aktenfund erschütterte 1997 den Bankenplatz Schweiz. Dann kehrte sich die Stimmung gegen ihn. Jetzt kam er mit Freundin Grace zurück an den Tatort. (…)

von David Becker mit Fotos von Marcel Nöcker

Vom Wachmann zum tragischen Helden

Christoph Meili wurde ein Teil Schweizer Ge- schichte: Der einfache Wachmann, der die mächtigen Grossbanken in die Knie zwang.

«Glaubwürdig»

Journalistin Patricia Diermeier hat die Geschichte Meilis minutiös nachgezeichnet. Auf 211 Seiten beschreibt die 40-Jährige, die 1997 als «Blick»- Chefreporterin erstmals mit Meili Kontakt hatte, den Weg vom Wachmann zum tragischen Helden. «Meili ist völlig glaubwürdig. Bei allen Interviews und Recherchen, die ich gemacht habe, hat er sich nie widersprochen.»

Das Pin-up-Girl

Das Buch enthüllt, warum Christoph Meili im Shredderraum war: Wegen des Fotos eines Pin-up-Girls an der Wand. Ebenfalls enthüllt wird, dass die UBS folgende Forderung als Bedingung für den Milliardenvergleich stellte: Meili müsse seine Klage gegen die Grossbank zurückziehen. Endgültig! Ansonsten käme der Deal nicht zustande. Meilis Anwälte stimmten zu – ohne ihn zu fragen.

Die Folgen

Meili wurde Spielball verschiedenster Interessenvertreter – hochgejubelt, vorgeführt, eingespannt und fallen gelassen. Er landete im Gefängnis, weil seine Frau behauptete, er habe sie bedroht. Die Ehe mit Giuseppina wird geschieden. Meili bekommt eine Million Dollar aus dem Bankendeal. Ein Viertel geht an Anwalt Fagan. Es bleiben 775 000 Dollar: 325 000 für Christoph, 300 000 für Giuseppina plus 100 000 als einmalige Scheidungsabfindung. Der Rest geht in die Ausbildung der Kinder Mirjam und Davide.